Achtung Urlaub: Bitte jetzt Streiten!

Urlaub, die schönste Zeit des Jahres, macht uns automatisch glücklich! Das denken und hoffen wir, die Realität sieht oft anders aus: Studien zufolge streiten sich zwei Drittel aller Paare im Urlaub, jedes fünfte Paar sogar derart heftig, dass es an der Beziehung zweifelt. Jede dritte Scheidung wird nach dem gemeinsamen Urlaub eingereicht. Ich biete Euch nachfolgend ein paar präventive Urlaubstipps:

// Bitte jetzt Streiten (sonst ist der Urlaub vorbei) //

Ein Tipp, der ernster gemeint ist als er klingt – an alle Paare/Familien: Streitet jetzt – und zwar noch Zuhause bevor ihr in Urlaub fahrt. Setzt Euch an einen Tisch und sprecht frei raus, was Euch gerade aufregt, was im Job (noch) los ist, mit den Kindern, mit den Eltern, mit Euch selbst  – und was ihr jetzt in diesem Urlaub braucht. Sprecht Euch alles von der Seele. Wenn Euch etwas aufregt, das ihr lange schon sagen wolltet, aber keine Zeit hattet oder Euch nicht getraut habt, dann sagt es JETZT. Streitet Euch, duelliert Euch, diskutiert, verhandelt, sagt, was Ihr Euch jetzt wünscht – alles. Aber fahrt nicht gestresst, ausgelaugt, vollgepackt mit allen möglichen Gefühlen und Problemen in den Urlaub. All das führt dazu, dass die Erwartungen an den Urlaub ins Unermessliche hochgeschraubt werden. Die Chance, dass Salzwasser und Sonne all das wegbrennen, sind gering. Zumal wenn man das mindestens mal Zwei Erwachsene nimmt und Kinder addiert. Und dann könnten auch noch die Unwägbarkeiten der vermeintlich schönsten Zeit des Jahres dazukommen: Stau bei der Anreise, die Ferienwohnung ist eine Bruchbude, es ist viel zu heiß, die Kinder meckern, es ist viel zu voll, die Restaurants sind mies und überteuert. Es gibt viele Zündschnüre und Mienen im Urlaub. Wenn man nicht einigermaßen ausgeglichen und in guter Verbindung mit dem Partner in den Urlaub startet, kann einmal „Verfahren“ zum Navi-„Gate“ werden. Und alles, was an Problemen, Gefühlen und Seelenmüll nicht daheim geblieben ist, kommt jetzt an die Oberfläche.

// Bitte jetzt Erwartungen klarmachen und klären //

Aktivität versus Passivität

Wie wollt Ihr Euren Urlaub gestalten? Lieber am Strand liegen oder in den angrenzenden Bergen wandern? Wieviel Kultur, wieviel Sightseeing gehören für Euch dazu? Wie erholt Ihr Euch am besten? Überlegt Euch dies gemeinsam im Vorfeld, so räumt ihr schon einmal einiges an Konfliktpotenzial aus. Auch über so Banales wie Aufstehzeiten und Verpflegung könnt Ihr dabei sprechen.

Nähe versus Autonomie

Und plötzlich sitzt man 24 Stunden über mehrere Tage aufeinander. Auch das ist Urlaub. In der Regel erlebt man das im Alltag für nur maximal zwei Tage am Stück am Wochenende. Und da gibt es auch immer etwas zu tun oder zu erledigen. Wieviel Nähe braucht und wollt Ihr? Wird der Partner auf einmal zum Schatten und klebt an Dir, bei allem, was Du machst, kann sich das Urlaubsfeeling auch schnell verflüchtigen. Ihr solltet Euch gegenseitig Freiräume gönnen. Man darf auch mal einen Tag lang etwas getrennt unternehmen. Gerade so können unterschiedliche Interessen wohlwollend gelebt werden. Und der positive Effekt: Man hat gleich ein Gesprächsthema für den Abend.

Urlaubskitt versus Paartherapie

Wer glaubt, dass Sommer, Sonne, Sonnenschein mit der schlechten Laune auch gleich alle Probleme vertreiben, macht es sich leider zu leicht. Urlaub ist kein Ersatz für eine Paartherapie oder ein gutes „Beziehungsbarometer“, um zu testen, ob man noch zusammenbleiben will. Eine kriselnde Beziehung hat ja handfeste Ursachen, die weiter bestehen. Sicher können ein schönes Ambiente und Cocktails die Stimmung heben, aber keine Krise lösen. Oft geht dann der Cocktail aus Frust, Problemen und Streit im Urlaub erst so richtig hoch, weil der Alltag dafür vorher keinen Raum geboten hat und man irgendwie immer abgelenkt war. Die Studien sagen es: Gerade nach dem Urlaub schnellt die Trennungsrate nach oben. Da wäre es wohl besser, man investiert das Geld stattdessen in eine professionelle Paartherapie. Ob der Partner geblieben wäre ist die eine Frage, aber man hätte zumindest einen störungsfreien Urlaub verbringen können.

Realität versus Sehnsucht

Die Vorfreude lässt uns oft ein Bild vom Urlaub malen, das leider nur im Photoshop existiert. Statt feinsandigem Strand trifft man auf Kies, statt idyllischer Umgebung ist nebenan eine Baustelle, Der Blick vom Balkon ist nur seitlich aufs Meer und und und. Man hat so lange darauf gewartet und gespart und jetzt muss bitte alles perfekt sein. Dieses Traumbild bleibt oft ein Traum. Auch die Vorstellung, dass man als Paar nun harmonisch den Urlaub genießt und das sexuelle Verlangen wieder entflammt, wenn es vorher wochenlang fast runtergedreht war. Was der Urlaub nicht alles können soll! Und dann sind da oft noch die Kinder, die sich sicher nicht in brave Engel verwandeln und den ganzen Tag selbst beschäftigen. Überprüft einmal genau Euer Kopfkino, ob da eher Hollywood oder das wirkliche Leben läuft. Ihr erspart Euch schlechte Laune, Streits und Enttäuschung.

Und wenn es Euch im Urlaub nicht gut geht, lautet die goldene Regel: Sofort ansprechen – und aussprechen, was los ist. Es wäre doch sehr schade, für genervt, angespannt und enttäuscht sein kostbares Urlaubsgeld zu verschwenden.

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